Diagnostik von Kohlenhydratunverträglichkeiten (Wasserstoff-Atemtest)

Blähungen, Bauchschmerzen und Stuhlunregelmäßigkeiten gehören in allen Altersgruppen zu den häufigen Beschwerden. Diese Symptome sind nicht spezifisch für eine bestimmte Erkrankung. Eine Vielzahl mehr oder weniger wahrscheinlicher Ursachen kommt infrage. Kohlenhydratintoleranzen insbesondere gegen Milchzucker und Fruchtzucker spielen dabei eine entscheidende Rolle. Der H2-Atemtest kann diese Unverträglichkeiten nachweisen und die Patienten zu einer erfolgreichen Ernährungsintervention motivieren. Eine Lactoseunverträglichkeit kann ebenfalls sicher durch einen Lactase - Schnelltest im Rahmen einer Probeentnahme bei der Gastroskopie (Magenspiegelung) ermittelt werden.

Fazit: Der Wasserstoff-Atemtest ist die Basisdiagnostik bei diesem Beschwerdekomplex und steht in der diagnostischen Kette an erster Stelle.

Wie läuft der Test ab?

Ein Merkblatt weist im Vorfeld auf einige Dinge hin, die den Testablauf stören können und die unbedingt zu beachten sind. Die Untersuchung erfolgt obligat früh am Vormittag und benötigt ca. 2 Stunden, in denen zu Beginn die Testsubstanz getrunken wird und im Verlauf mehrmals die Wasserstoffkonzentration in der Atemluft gemessen wird. Dabei ist es erforderlich, nach einer normalen Einatmung die Luft für 15 Sekunden anzuhalten, ehe sie ruhig aber vollständig in das Messgerät ausgeatmet wird. Eventuell aufgetretene Beschwerden werden abgefragt.

Wie ist die Testtheorie?

Das Kohlenhydrat-Test-Getränk (z.B. Laktose) erreicht nach 15 Minuten den Dünndarm und nach 70-90 Minuten den Dickdarm. Normalerweise werden die Kohlenhydrate vollständig im Dünndarm aufgenommen. Bei einer erworbenen Kohlenhydratunverträglichkeit ist die Aufnahmefähigkeit des Dünndarms begrenzt, sodass nichtresorbierter Zucker in den Dickdarm gelangt. Dort befinden sich hohe Konzentrationen Bakterien, die den Zucker in einem Gärungsprozess weiterverarbeiten.

Es entstehen kurzkettige Fettsäuren mit möglichem Durchfall, Kohlendioxid mit dem Symptom Blähungen und Wasserstoff, der abgeatmet und daher als Marker gemessen werden kann. Wasserstoff entsteht nur im anaeroben Stoffwechsel (Gärung). Da der Mensch in Ruhe keinen anaeroben Stoffwechsel hat, muss er ausschließlich von anaeroben Bakterien des Dickdarms stammen. Nur unter besonderen Bedingungen besiedeln diese Bakterien den Dünndarm in größerer Zahl. Dieses Krankheitsbild ist als bakterielle Überwucherung des Dünndarms bekannt und wird nach der englischen Abkürzung SIBOS benannt. Nach dem Zeitpunkt des Anstiegs der Wasserstoff-Konzentration lässt sich auf den Ort der Fermentation schließen: früh im Dünndarm (Diagnose SIBOS) oder spät im Dickdarm.

Weitere mögliche Beschwerden in Verbindung mit Kohlenhydratintoleranzen:

Die bakteriellen Abbauprodukte können lokal und durch die in die Blutbahn aufgenommenen Gase nicht nur Blähungen, Bauchschmerzen und Stuhlunregelmäßigkeiten hervorrufen, sondern auch eine Vielzahl weiterer Symptome: Rumoren bzw. Darmgeräusche, Übelkeit, Aufstoßen, Sodbrennen, Müdigkeit, Schwindel, Unruhe, Kopfschmerzen, Kälte-/Wärmeempfinden, Kribbelparästhesien, Juckreiz und viele andere.

Fazit

Der Wasserstoff-Atemtest ist bei guter Kooperation und Vorbereitung ein außerordentlich zuverlässiger und nützlicher Funktionstest zur Abklärung nicht nur von Verdauungssymptomen. Neben der Diagnose einer Kohlenhydratintoleranz kann er auch eine ansonsten kaum zu diagnostizierende bakterielle Überwucherung des Dünndarms feststellen.